Short Corner 25 - 9. Dezember 2002

   

Welthockey-Spieler 2002: Dr. Michael Green

Nicht allzu viele gute Hockey-Nachrichten kamen in letzter Zeit aus Australien, aber eine richtig gute war in der letzten Woche dabei: auch der Welthockey-Spieler 2002 kommt aus den Reihen unserer Junx. Nach Florian Kunz 2001 (auch erst 2002 bei der WM in Kuala Lumpur gekürt) nun nach gut halbjähriger Regentschaft schon der nächste Deutsche. Dr. Michael Green. Jeder wird es ihm von Herzen gönnen, trotzdem fragen einige natürlich, waren da nicht doch der eine oder andere mehr Hervorstechende, Teun de Noijer etwa, oder auch Christoph Eimer oder Philipp Crone. Dazu muß man wissen, daß diese Auszeichnung von den Juroren mehr in Richtung eines "lifetime award" verändert, das Lebenswerk, die Persönlichkeit, die Vorbildwirkung prämiiert werden soll. Und unter dieser Prämisse stimmen sicherlich alle zu. Dr. Michael Green ist wie kein Zweiter der Vorzeigehockeyspieler. Wann immer ich die Junx gerühmt habe, dann war Michael das Musterbeispiel dafür, wie sie alle vor allem darin erfolgreich sind, Schule, Ausbildung, Beruf und ihr Hockeyspielen in Einklang zu bringen. Mit 30 Jahren praktizierender Arzt am Hamburger Marienkrankenhaus zu sein und gleichzeitig 258 Länderspiele auf dem Buckel zu haben. Dabei einen halbjährigen Aufenthalt in Argentinien, um Spanisch zu lernen, ebenso auf die Reihe bekommen zu haben, wie auch (fast) alle Freuden des Lebens genossen zu haben (nur Rauchern würde Michael gern mal die Meinung sagen. Aber das sind ja auch keine Freuden...). Eine besondere Affinität hegt Michael Green für alles Spanisch-orientierte und vor allem südamerikanische. Den Nationalspielern und –spielerinnen dieser Länder ist er ein guter Freund, wohnte während seines Argentinien-Aufenthalts beim argentinischen Starspieler Lombi, und auch zu den hübschen Argentinierinnen pflegt er ein besonderes Verhältnis. Seine beste Hockeyfreundin ist seit 1996 Cecilia Rognoni. Als am vergangenen Donnerstag in Perth während einer Pressekonferenz in einem 5-Sterne-Hotel die Kür der besten Hockeyspieler vorgenommen wurde, war es wie eine Hockeyfamilienfeier auf höchstem Niveau. Die gesamte argentinische Damen-Mannschaft war versammelt. Anders als bei den Herren (die ja anreisen mußten) war die Damen-Wahl noch nicht bekannt. Und dann war der Jubel riesig, als erst der "shooting star" Soledad Garcia, gewann, die erst während der WM durch den Ausfall von Vanina Oneto, der gedachten argentinischen Mittelstürmerin (die auch Favoritin für den Titel der weltbesten Juniorin war), mit ihren Treffern zum Titel gestürmt war. Und dann Cecilia Rognoni als weltbeste Spielerin gekürt wurde und gleichsam als "Sahnehäubchen" unser Dr. Green. Das hat ihn, glaube ich, noch einmal so richtig motiviert. Schon vor Wochen hatten mir die Hamburger signalisiert, daß Michael wieder voll im Saft stünde, voller Ehrgeiz wieder dabei. Und diesen Eindruck machte er auch heute morgen. Gerade erst am gestrigen Abend nach anstrengenden Flug aus Perth zurück (er wurde von den Eltern und einer Abordnung des HTHC am Flughafen Fuhlsbüttel empfangen). "Wie machst du das denn, in sechs Tagen Deutschland – Australien und zurück?" - Michael ganz gelassen: "Und das von 35° C dort auf minus 5 hier. Aber, da haben wir doch Erfahrung, diese nie endenwollenden Südostasienflüge." Gut gelaunt, obwohl eine Stunde später wieder der Dienst im Unfallkrankenhaus beginnen würde, und voller Hockeytatendrang. Mit Bernhard Peters hat er vereinbart, die spärlichen Urlaubstage für die anstehenden Aufgaben der Feldsaison zu nutzen, aber eigentlich ist er auch voller Hallenhockey-Tatendrang.

Seine Hallenhockeyfähigkeiten sind noch bemerkenswerter wie die Feldkünste. Seine Abwehrkünste werden in der Halle noch augenfälliger. Aber da er kaum aufs Tor schießt (seine Hockeyfreunde flachsen, er könne gar nicht schlenzen), hat er in der vergangenen Hallensaison mit seinem greys-Feldschläger gespielt. Erst als das für seine Mitspieler zu einem Problem wurde, hat er es gelassen. Mit welchem Schläger auch immer, gleich auf welchem Untergrund, keinem Abwehrspieler auf der Welt gelingt es so gut wie Michael Green, seinen Gegnern mit absolut sauberen Mitteln den Ball aus dem Schläger zu spielen. Den Gegner solange unnachgiebig zu begleiten, bis der Moment gekommen ist, zuzustechen und den Ball sauber und ohne Schlägerkontakt zu erobern. Besonders der für Bernhard Peters weltbeste Hockeyspieler Teun de Noijer weiß ein Lied davon zu singen. Trotzdem ist er, wie fast alle herausragenden Hockeyspieler der Welt, ein Freund von Michael Green. Der wie kaum ein Zweiter auch über das Spiel hinaus den freundschaftlichen Kontakt sucht, zu Spielern, zu Schiedsrichtern, zu Funktionären. Eine gute Wahl haben sie getroffen, die Juroren von Perth. Dabei wäre er fast beim Fußball gelandet. Er hat bis zur A-Jugend bei Eintracht Braunschweig in der Oberliga Nord gespielt. Hans Kauschke, seinem Sportlehrer, haben wir es zu verdanken, der ihm erst mit 13 Jahren Hockey schmackhaft machte und ihn beim MTV Braunschweig trainierte. Erst nach der A-Jugend entschied sich Michael gegen das Geld und für Hockey, über den BTHC Braunschweig kam er 1991 nach Hamburg und spielt seitdem beim HTHC Hamburg, mit dem er ebenfalls viele Erfolge (4 x Deutscher Meister, 3 x Europapokalsieger) errang. Schon 1993 wurde er, zusammen mit den heutigen Weltmeistern Florian Kunz, Björn Michel und Oliver Domke unter Bernhard Peters Regie Junioren-Weltmeister. Mir scheint, daß auch der jetzige Titel noch nicht sein letzter gewesen ist. In Dr. Michael Green brennt noch ganz viel Feuer – olympisches.

Ab morgen können Sie von den Taten der Junx wieder unter "In-Teames" erfahren. Wir absolvieren zwei Hallenländerspiele gegen Polen in Leipzig. Es hat noch einige Änderungen im Kader gegeben. Für den nicht rechtzeitig genesenden Philip Sunkel wird Matthias Witthaus dabei sein. Auch Christoph Eimer wurde nicht fit, für ihn ist Sebastian Biederlack dabei. Und heute mußte sich Max Landshut abmelden, der Weisheitszahn. Für ihn sprang innerhalb weniger Minuten Timo Weß ein. Dagegen wird Bernhard Peters einen nicht ersetzen, Philipp Crone. Er muß morgen mittag seine Biochemie-Prüfung absolvieren. Leider gibt es dananch keine Möglichkeit mehr, per Bahn oder Flugzeug rechtzeitig zum Spiel nach Leipzig zu kommen. Bitter für Bernhard Peters und die Mannschaft, aber auch für Sie. Sie werden dieses Mal auf "Hupes Corner" verzichten müssen. Ich wollte ihn auch nicht um eine Fernkommentierung bitten, um "Lern-Gnubbel" nicht zu stören.


Bleiben Sie uns verbunden –

HockeyHerzlichst

  Foto: Dieter Reinhardt (info@direvi.de)

Dr. Michael Green mit seiner Mutter bei der WM 2002 in Kuala Lumpur


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